Ein altes Rezept aus der deutschen Kolonialzeit :




Antonie Brandeis : Kochbuch für die Tropen.
Erste Auflage 1907, vierte, vermehrte Auflage1939 bei Dietrich reimer in Berlin.

Die Küche der Kolonialbeamten und Missionsangehörigen gegen Ende des 19. Jahrhunderts kannte keine Kartoffeln, keine wurstwaren und vor allem keine Kühlung, alle Gerichte mussten frisch mit dem zubereitet werden, was die afrikanische Natur hergab, und sogleich verzehrt. Haltbare Lebensmittel wie Mehl oder Reis um die um 1880 entwickelten Blechkonserven kamen mit dem dampfer in den Häfen an und wurden über lange Wege von Trägern ins Landesinnere verbracht.

Der Mohr im Hemd und der Mohrenkopf sind altbekannte Gerichte, die gar nichts Rassistisches an sich haben, sowenig wie „Frankfurter“ Würtchen oder „Franzosenbrot“. Tradditionell verband sich mit dem worte Mohr der Mohrenkönig in der Weihnachtskrippe, der jüngste und schön gekleidete der drei Weisen aus dem Morgenland. Beliebt bei deutschen Kindern in der Vorkriegszeit war auch der Sarottimohr, ein Knabe in türkischem Gewand mit Turban und Pluderhosen, die Werbefigur einer Berliner Schokoladenfabrik ; deutsche Kinder erwarteten jeweils die darin eingeschlossene Mohrenpost", welche Produktinformationen enthielt. Heute ist die sympatische Figur Gegenstand abgrundtiefen Abscheus êempfindsamer deutscher Doktorantinnen...
Bis vor Jahren konnte man noch Mohrenköpfe im Lebensmittelhandel finden, rrunde Kugeln auf einer Oblate, Meringenschaum mit schokolade überzogen. Umgangssprachlich hießen sie auch Negerküsse : außen appetitlich braun, innen süß. Die Verpackungen zeigten jedoch äußerst primitive Karikaturen von Schwarzafrikanern, die dann doch als verächtlich und rassistisch angesehen werden mussten, die Zeichnungen (Vgl. le rire Banania). Heute heißen die Mohrenköpfe mit „political correctness“ Schokoküsse.

Also hier das Rezept vom Ende des 19. Jahrhunderts, nicht unbedingt zum Nachkochen

Mohrenkopf-Sahnespeise (Seite 377)

Man rührt 9 Eidotter mit ½ Pfund Zucker, ¼ Stunde, dann kocht man von 1 Liter Sahne oder Milch und 5 Löffeln Maizena oder Katoffelmehl, auch Sago oder Arrowroot, einen Brei. Wenn dieser abgekühlt ist, diese wieder rühren und zuletzt den Eierschnee lose durchziehen. In eine Glasschale legt man Biskuits oder Keks, welche man mit Likör oder Rosenwasser beträufelt. Man fügt die Creme darüber und zuletzt den Schokoladenguss. Dieser wird von ¼ Pfund Geriebener Schokolade, 1 Löffel Butter , 1 Löffel Zucker und etwas lauwarmem Wasser gerührt und darüber gefüllt.